| Die BIG e.V. ist eine 1988 gegründete Selbsthilfegruppe von betroffenen Eltern, die eines Tages vor der Lebenssituation standen, aufgrund fehlerhafter Geburtshilfe und Nachsorge, ein behindertes Kind zu haben. An der Nahtstelle von Patientenschutz und Behindertenorganisation gliedert sich unsere Arbeit u.a. in drei große Themenbereiche. Die Verknüpfung des Ganzen obliegt der Geschäftsstelle in Stadthagen, die in der Person von Frau Evelyn Maeser allen Mitgliedern und Förderern mit Rat und Tat zur Seite steht. Warum unsere Kinder behindert zur Welt kommen, hat viele Gründe. Oft sind es Gründe, für die kein Mensch verantwortlich gemacht werden kann. Aus unserer Vereinsarbeit wissen wir aber, daß mindestens eins von sieben behinderten Kindern durch mangelnde Sorgfalt in der Klinik, des Personals oder der Geburtshelfer geschädigt wird und lebenslang mit einer in Art und Umfang oft unterschiedlichen Behinderung leben muß. Eltern geschädigter Kinder wissen häufig nicht, daß beispielsweise Sauerstoffmangel und/oder Hirnblutungen die cerebrale Behinderung ihres Kindes verursacht haben können. Die Differenzierung zwischen schicksalhaftem Verlauf und vermeidbaren Behandlungsfehlern ist schwierig und bedarf der kompetenten medizinischen und juristischen Abklärung. Zur Vermeidung ähnlicher Schicksale arbeitet BIG mit Ärzten und Hebammen zusammen und vermittelt Einblicke in die Fehlerquellen in unseren Geburtskliniken. Bei der juristisch-medizinischen Auseinandersetzung bieten wir Unterstützung. Wir helfen bei der Vermittlung von Gutachten und Rechtsanwälten mit entsprechenden Spezialkenntnissen. Wir wollen auf die Schwangeren und auf die Kliniken einwirken, damit wir immer wiederkehrende typische Fehlerquellen und Schädigungsmechanismen entgegenarbeiten können, und so bestmögliche Voraussetzungen für eine schadenfreie Geburt für das Kind und die Mutter schaffen können. Dazu möchten und müssen wir immer wieder auftretende, exemplarische Geburtsschadenfälle umfassend erforschen und dokumentieren damit wir ebenfalls Betroffenen Gelegenheit geben können, sich sachkundig zu machen. Das setzt eine umfassende Information voraus und macht das Vermitteln vieler medizinischer Kenntnisse notwendig, damit die Schwangere in die Entscheidungen mit einbezogen werden kann. Um eingerissenen Schlendrian mit verheerenden Folgen für das Baby und die Mutter zu verhindern ist Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit dringend erforderlich. Denn durch eine Öffentliche Diskussion der Fehlerquellen können und müssen die personellen und organisatorischen Voraussetzungen verbessert werden und frühkindliche Hirnschäden vermieden werden. Wir bemühen uns in erster Linie durch Bewußtmachen und Information, es gar nicht erst zu Schadensfällen und Prozessen kommen zu lassen. Wir wünschen uns, daß Geburtshelfer und Hebammen unsere Bedenken akzeptieren und (nicht nur unsere) Aufklärungsarbeit bei den Schwangeren unterstützen. Die Dokumentation: "Die häufigsten Fragen zur Geburt und den Komplikationen" möchten wir allen interessierten Schwangeren zugänglich machen, weil sie die Synopse unserer Erfahrungen und unserer Betroffenheit darstellt. Sie soll Ausdruck unseres Wunsches sein, daß Schwangere nicht "gottergeben guter Hoffnung" sein sollen, sondern sich aktiv an der Schwangerschaft beteiligen, damit sie nicht zu Patientinnen entmündigt werden. Durch richtige Auswahl des Krankenhauses, durch kritische Beobachtung ärztlichen Handelns bei der Schwangerschaftsbetreuung und Geburtseinleitung und durch eigene präventive Verhaltensweisen kann zur Risikominimierung beigetragen werden. Das setzt eine umfassende Information voraus und macht das Vermitteln vieler medizinischer Kenntnisse notwendig, damit die Schwangere in die Entscheidung mit einbezogen werden kann. Motto des Vereins ist: "Gebären statt entbunden werden!" Jedes neue Vereinsmitglied in der BIG bedeutet ein neues Schicksal, wieder eine Familie, die neu vor der Situation steht, mit einem behinderten Kind zu leben. Wie schwer es ist, damit fertig zu werden, wird jemand, der nicht damit konfrontiert ist, kaum nachvollziehen können. Unterstützung möchte der Verein auch bei den alltäglichen Fragen von Beginn an geben. Der zweite Themenbereich, den wir vorstellen möchten und der 1988 zur Gründung des Vereins geführt hatte, behandelt das Problem: "Was kann ich bei geburtshilflichen Schadensfällen tun?" Wir begleiten die betroffenen Eltern bei ihren ersten Schritten, der Frage "Schicksal oder Arztverschulden?" nachzugehen. Wir helfen bei der Vermittlung von Gutachtern und Rechtsanwälten, die Spezialkenntnisse auf diesem Gebiet haben. Die BIG arbeitet zunehmend mit Ärzten und Hebammen zusammen, um die Geburtshilfe in Deutschland zu verbessern. Wir betreiben und setzen auf eine stetige Aufklärungsarbeit. Daraus ist eine Vereinsbroschüre entstanden, die gegenwärtig von unseren Bundesvorstand sowie Hebammen und Juristen aktualisiert wird und sich der juristisch-medizinischen Auseinandersetzung widmet. Diese Ausarbeitung setzt sich mit den Schwachstellen im Geburtsmanagement auseinander und kann ein Wegweiser sein. Sie erläutert die rechtlichen Möglichkeiten und eventuelle Konsequenzen. Es kommt uns nicht darauf an, Verantwortliche zu suchen und an den Pranger zu stellen. Vielmehr wollen wir versuchen, den Nachteil, den die Familien durch das behinderte Kind haben, zu mildern. Dies kann zunächst eine finanzielle Bezifferung des durch die Behinderung bedingten Mehraufwands bei der Haushaltsführung sein. Dies kann auch der Ausgleich von zusätzlichen Kosten bei Neu- und Umbauten sein. Nicht zuletzt ist dies aber die zeitaufwendige und häufig mit hohen Kosten verbundene Förderung des Kindes mit geeigneten Therapien. Viele Eltern laufen von Arzt zu Arzt und von einem Therapeuten zum anderen, um eine angemessene, hilfreiche Therapie für die Weiterentwicklung ihres Kindes zu finden. Anerkannte und umstrittene Therapien, die unter Umständen nicht in Deutschland angeboten werden und/oder von den Krankenkassen nicht bezahlt werden. Deshalb diskutiert die BIG verschiedene Therapiemöglichkeiten für die unterschiedlichen Behinderungen und stellt die Ergebnisse in einer weiteren, das dritte Thema umfassenden "Therapie-Broschüre" zusammen. Ergänzt durch Berichte aus den Familien stellen wir sie zur Diskussion |